Sanctum Homes | Sanctum Homes Sommercamp
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Sanctum Homes Sommercamp

05 Aug Sanctum Homes Sommercamp

Seit einiger Zeit mussten wir feststellen, dass Kinder und Jugendliche in unserem Haus immer aufsässiger und aggressiver werden. Sanktionen und Aussprachen zeigten kaum und nur kurzzeitige Wirkung.

Daher haben wir uns entschlossen, unsere Teenager in einem kurzen Sommercamp besser kennen zu lernen. Zuerst wurden Gespräche mit allen Eltern geführt und unser Vorhaben erklärt. Ausnahmslos alle Eltern waren von unserem Vorhaben begeistert und erteilten ihre schriftliche Zustimmung.

Am 01. August fuhren wir mit einer Gruppe von Kindern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren nach Grünau. Heimleitung, Sozialarbeiter, Dolmetscher und Securitymitarbeiter waren selbstverständlich mit dabei.

Direkt an der Dahme befindet sich das Touristenhaus Grünau, ein Hostel, in dem seit einiger Zeit auch Flüchtlingsfamilien ein vorübergehendes zu Hause gefunden haben. Wir arbeiten seit Jahren eng mit dem Touristenhaus zusammen und konnten die Direktion schnell für unser Projekt gewinnen. Gemeinsam mit Flüchtlingskindern aus dem Touristenhaus starteten wir das Sommercamp.

Die unsichere Wetterlage ließ Camping nicht zu, daher wurde ein großer Veranstaltungssaal geräumt und zu einem Schlafsaal umgestaltet. Fast wie in einem Ferienlager. Nach dem Einzug und einer kurzen Einweisung wurde gemeinsam die Umgebung erkundet. Die Kinder lernten sich schnell untereinander kennen und es wurde gemeinsam gespielt

Bereits nach kurzer Zeit konnten wir beobachten, dass die Kinder ein entspannteres Verhalten zeigten und friedlich miteinander umgingen. Nach dem gemeinsamen Abendessen, das von unserem Caterer zur Verfügung gestellt wurde, ließen wir den ersten Abend ruhig ausklingen. Um 22.00 Uhr war Nachtruhe und erstaunlicherweise wurde diese ohne Diskussion von allen eingehalten.

Tag 2 war unser Aktionstag. Nach dem Wecken gingen die Kinder duschen, die Betten wurden gemacht und ein ausgiebiges gemeinsames Frühstück eingenommen. Die Kinder wurden dabei aktiv in die Vorbereitung mit eingebunden. Nach Abschluss des Frühstücks wurde aufgeräumt, wobei die Kinder begannen selbständig Aufgaben zu übernehmen.

Anschließend fuhren wir zu einer nahegelegenen Badestelle – und bereits unterwegs wurden kurze Wartezeiten für kleine Sportspiele genutzt.

Am Strand angekommen, gab es kein Halten mehr. Die Kinder stürmten ins Wasser und nutzten intensiv die mitgebrachten Sportgeräte, wie Bälle und Frisbeescheiben. Betreuer und Kinder spielten gemeinsam und alle Betreuer äußerten übereinstimmend, dass sich die Kinder zum ersten Mal einfach wie Kinder verhielten. Diese Stimmung konnten wir bis zum Abschluss des Camps aufrecht erhalten. Nach mehreren Badegängen wechselten wir zu einer anderen Badestelle. Hier tanzten die Kinder ausgelassen zu Musik, die sie selbst mitgebracht hatten. Es gab Snacks – und einige davon landeten im Magen von drei Schwänen, die bis ans Ufer kamen und sich bereitwillig aus der Hand füttern ließen, eine große Attraktion für die Kinder. Leider setzte leichter Regen ein und verkürzte das Programm. Nach der Rückkehr im Hostel wurden zwei Stunden Mittagsruhe gehalten. Die kleineren Kinder ruhten auf ihren Betten, während einige der größeren mit Betreuern in den nahegelegenen Park gingen, um gemeinsam Fußball zu spielen.

Später am Nachmittag riefen wir alle Kinder zusammen. In einer großen Runde hatten alle die Gelegenheit, an Betreuer und Kinder Fragen zu stellen. Hauptthemen waren das Leben miteinander, Formen von Respekt und Regeln und Werte.

Das wichtigste und beste Ergebnis dieser Runde war die Feststellung, dass alle Kinder zumindest einmal begannen, über ihr eigenes Verhalten nachzudenken. Aus unserer Sicht ein großer Schritt.

Während die Kinder noch einmal direkt hinter dem Hostel baden gingen oder gemeinsam an der Playstation spielten, bereiteten die Betreuer den Grillabend vor.

In einer ausgesprochen entspannten und harmonischen Atmosphäre wurden Würstchen und Köfte gegrillt. Dazu gab es ein Buffet mit Salaten und Snacks.

Eine kurze Darbietung einer Feuershow durch einen Mitarbeiter beendete den Abend.

Es war erstaunlich, wie ausgeglichen die Kinder agierten und sich sowohl untereinander, als auch den Betreuern gegenüber freundlich und respektvoll verhielten.

Die geplante Weckzeit am nächsten Morgen wurde um fast zwei Stunden verschoben, da alle Kinder – wohl auf Grund der ungewohnten Aktivitäten am Vortag – tief und fest schliefen und keiner der Betreuer diese Phase der Ruhe zerstören wollte.

Dem gemeinsamen Frühstück folgte das Aufräumen, wobei – mittlerweile selbstverständlich – alle Kinder mit anpackten.

Bevor sich die Kinder mit uns auf den Rückweg in die Thielallee machten, rangen sie uns das Versprechen ab, ein solches Camp baldmöglichst zu wiederholen.

Dieses Camp hat uns wichtige Erkenntnisse für unsere weitere Arbeit geliefert. Der überwiegende Teil der in unserem Haus untergebrachten Eltern versäumt es, ausreichend Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen, sie zu fordern und zu fördern.

Das führt letztlich zu Frustration und Perspektivlosigkeit bei den Kindern.

Wir werden künftig aktiv auf die Eltern einwirken, damit diese ihre Erziehungsfunktion aktiver wahrnehmen. Gleichzeitig müssen wir weiter Freizeit- und Sportangebote für die Kinder bereithalten.

Im Sommercamp konnten wir kurzzeitig die wahren Potentiale der Kinder und Jugendlichen erkennen. Diese Potentiale gilt es weiter auszubauen und dauerhaft zu aktivieren – im Interesse der Kinder.

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